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Oliver Schmitt

Oliver Schmitt

ist Geschäftsführer und Gründer der re-lounge GmbH und lebt das Web seit dem Beginn seines Medieninformatikstudiums Mitte der 90er Jahre. Bei re-lounge ist er u.a. für die Strategieberatung der Kunden verantwortlich. Seine Schwerpunkte sind Digitale Trends, Mobile, E-Mail-Marketing, Social Media und Content Management, zu denen er auch als Referent aktiv ist. Oliver twittert unter @oliverschmitt. Privat liebt er neben seiner Familie gute Musik und echte Bücher.

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Think Online ist eine regelmäßig stattfindende Vortragsreihe von re-lounge. Wie der Name schon sagt, geht es um die digitale Welt, das Internet und um alles, was in diesem Zusammenhang für Unternehmen, Marketer und Digitalschaffende wichtig ist. Die Themen reichen von der Suchmaschinenoptimierung (SEO) bis hin zu Online-Marketing und Customer Experience Management. Wenige Wochen vor seinem Vortrag am 12. Mai bei Think Online befragte Oliver den Speaker Dr. Simon Geisler, Chief Marketing Officer beim Ebner Verlag, zum Thema Content Marketing.

Der Ebner Verlag hat sich radikal transformiert und verfolgt seitdem konsequent das Prinzip des Content-Marketings. Welches war in diesem Prozess die größte Herausforderung?

Das war ganz sicher die Kommunikation dieses Prozesses in den Verlag hinein. Sowohl unsere Gesellschafter – die Familie Ebner – als auch unsere ca. 300 Mitarbeiter in Deutschland sahen sich mit erheblichen Veränderungen konfrontiert. Für die Gesellschafter bedeutete der nach wie vor andauernde Transformationsprozess erhebliche Investitionen. Für die Mitarbeiter hieß es, sich von vielen gewohnten Workflows zu verabschieden und gleichzeitig viele, teilweise radikale Neuerungen nicht nur zu verstehen, sondern diese anzunehmen und in die eigene Arbeit zu integrieren. Wenn es nicht gelingt, beide Parteien mit auf die Reise zu nehmen, ist das Scheitern garantiert.

Wie sollten Unternehmen das Thema „Content-Marketing“ sinnvoll starten?

Unbedingt mit einer sauberen Analyse der Zielgruppe und des Marktes. Wer soll überhaupt angesprochen werden? Wer sind die Personas? Welche Fragen und Probleme haben diese Personas? Welche Art des Contents kann auf diese Fragen und Probleme antworten? Auf welchen Kanälen und in welchen Formaten? Und schließlich: Wie sieht die strategische Verknüpfung dieser ganzen Publishing-Aktivitäten mit den eigenen geschäftlichen Zielen aus? Content-Marketing heißt nicht: Ein Unternehmen publiziert jetzt mal was und dann ist das Content-Marketing. Jede einzelne Maßnahme wird im Vorfeld mit konkreten quantifizierbaren Zielen hinterlegt, die später regelmäßig gemessen werden. Wer das nicht macht, gibt v. a. Geld aus, aber erreicht wenig bis nichts.

Wir werden derzeit überflutet von Headlines wie „10 ultimative Tipps für den Einstieg in den digitalen Ausstieg“ oder „Sie werden nicht glauben, was Oliver nach dem Lesen dieses Blogposts passiert ist“. Bekommen wir damit genau den Content, den wir verdienen, oder zeigt sich schon Licht am Ende des Tunnels?

Es kommt darauf an, wo Sie lesen und wo Sie suchen. Unsere Erfahrung ist, dass die Chance, qualitativ hochwertigen Content (jenseits von nichtssagendem Clickbaiting-Schrott) zu bekommen umso höher ist, je spitzer die thematische Nische ist, in der man sich bewegt. Der Grund dafür ist ganz einfach: Je spezieller die Zielgruppen und Themen sind, um die es geht, desto präziser lässt sich definieren, was der Zielgruppe hilft und was tatsächlich einen Mehrwert hat. Gleichzeitig ist die Markteintrittsbarriere hoch, da es nicht allzu viele Leute gibt, die vom jeweiligen Thema wirklich etwas verstehen und auch noch schreiben können. Ideale Voraussetzungen fürs Content Marketing!

Unternehmen sind oft intern so strukturiert, dass Content-Silos fast unausweichlich werden. Wie können diese Silos aus Ihrer Sicht eingerissen werden? Oder anders gefragt: Wie kann Content abteilungsübergreifend entstehen?

Ganz klar: Indem man die Content-Marketing-Strategie auf Chef-Ebene verortet – und zwar von Anfang an. Content-Marketing ist keine Marketing-Taktik, die man montags anwendet und donnerstags nicht. Content-Marketing ist mindestens eine Strategie – und als solche funktioniert sie nur, wenn alle relevanten Unternehmensbereiche zusammenarbeiten. Im Ebner Verlag haben wir gelernt: In alten Strukturen können Sie nicht innovieren. Sie müssen deshalb von vornherein die relevanten Strukturen auf das Neue, Content-Marketing, ausrichten. Das geht nur, wenn Sie das „Buy-in“ der Entscheider haben.

Welches Content-Marketing-Projekt hat Sie in letzter Zeit besonders beeindruckt?

Mein Lieblingsbeispiel dafür, wie man mit geringen Mitteln, aber dafür mit Sachkenntnis und strategischem Fokus einiges erreichen kann, ist derzeit die norddeutsche Seemannspullovermanufaktur Rymhart aus Stade. Ich weiß nicht, ob die selber sagen würden, dass sie Content-Marketing betreiben, aber die Website www.rymhart-troyer.de ist ein gutes Beispiel dafür, wie man sich trotz geringer Mittel mit klarem Fokus nationale digitale Sichtbarkeit für ein absolutes Nischenprodukt erobern kann und seine Zielgruppe erschließt.

Welchen Insider-Tipp möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern spontan zum Thema Reichweite mit auf den Weg geben?

Occupy Events! Nutzen Sie Events mit starker Marke und hoher Bekanntheit, die sich auch online abbilden. Surfen Sie dann mit eigenem Content und eigener Distribution auf der Welle, die diese Events erzeugen und lassen Sie sich mitnehmen. Also: Mit eigenem Content die relevanten Keywords besetzen und auf den Social-Kanälen diese Beiträge gezielt ausspielen, um die Themen des Events zu besetzen. Gerade in fachlich anspruchsvollen Nischen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das noch niemand wirklich organisiert macht – weder die Veranstalter noch die Sponsoren. Davon sollten Sie profitieren!

Und zuletzt noch: Über was haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Über James Spader in „The Blacklist“.

 

 

Dr. Simon Geisler wird zusammen mit Thomas Dold (Dymatrix Consulting Group) und Oliver Schmitt (Digitalagentur re-lounge) am 12. Mai 2016 im Rahmen der Think Online Veranstaltung „Wie Sie mit Online-Marketing Ihre Kunden nicht nur erreichen, sondern auch verstehen“ sprechen. Sie werden die gegenwärtigen Online-Trends „datenbasiertes Marketing (Big Data/Smart Data)“, „Marketing Automation“ und „Content Marketing“ entmystifizieren und Tipps für die praktische Umsetzung im eigenen Unternehmen geben.

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