„Prozess. Dialog. Qualität.“ 7. Deutsche Konferenz für Informationsarchitektur (#iak13) #nurguteseiten http://www.nurguteseiten.com
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Saskia Schulze-Schwering

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ist dem Ruf ihres Herzens nach München gefolgt. Während ihrer Zeit bei re-lounge machte sie sich als Konzepterin täglich für die Bedürfnisse der Nutzer stark und liebte es Wireframes für brauchbare Websites und Apps zu entwerfen.

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Saskia Schulze-Schwering
Von Saskia Schulze-Schwering 14. Juni 2013
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Anfang Mai hat die IA Konferenz in Berlin stattgefunden, die sich zur wichtigsten deutschsprachigen Konferenz über Informationsarchitektur und User Experience (UX) entwickelt hat. In diesem Jahr lautete das Thema „Prozess. Dialog. Qualität.“ Die Referenten haben viel über die Prozesskultur, über Agilität, Scrum und Lean UX geredet. Dabei waren die Vorträge nicht nur theoretischer Art, sondern in der Mehrzahl durch Best Practices, Cases sowie persönliche Learnings wie immer sehr praxisnah.

Prozess

IA-Konferenz_AusweisDie Prozesskultur verändert sich. Davon hat auch Jutta Eckstein in ihrer Opening Keynote „Agilität in Unternehmen“ gesprochen und vor allem von Zutrauen! In einem Projekt ist nicht nur gegenseitiges Vertrauen zwischen Kunde und Agentur wichtig, sondern viel mehr auch das Zutrauen. Wenn dies nicht vorherrscht, kann die eigentlich gewünschte Transparenz schnell missbräuchlich zur Kontrolle werden.

Auch die Steuerung der Projekte verändert sich: eine lineare Steuerung funktioniert nicht mehr (Mathias Weitbrecht). Die Prozesse müssen viel dynamischer ablaufen da die Projekte komplexer werden und zeitnahe Abstimmungen innerhalb des Teams und mit dem Kunden erfordern. Der Kern der Agilität ist über Feedback Neues dazu lernen (Jutta Eckstein). Und dies kann nur durch eine neue Dynamik in den Prozessen und Workflows erreicht werden.

Sollen Projekte nach einem agilen Prozess entwickelt werden, so ist es wichtig diese Prozesse nicht nur in der Agentur einzuführen. Das „Agile Mind Setup“ (Josh Seiden) muss auch auf Kundenseite verstanden, eingeführt und gelebt sein. In diesem Punkt waren sich alle Referenten einig.

Prozesse sind aber auch immer wieder kritisch zu hinterfragen. Rainer Sax hat es gut formuliert: „People power the process“. Die Projektteilnehmer wissen am besten, was sie brauchen und können ihre Prozesse selber definieren – das ist agil. Dabei ist es am wichtigsten selber ein guter Projektteilnehmer zu sein und sich an die sechs Eigenschaften erfolgreicher Projekte (Crystal Methods) und an die praktischen Tugenden (The School Of Live) zu halten.

Dies unterstreichen auch die Aussagen von Martin Weber-Schaeuffelen und Josh Seiden:

  • „Die Evolution bleibt nie stehen!“ (Martin Weber-Schaeuffelen)
  • „Change is the new reality!“ (Josh Seiden)

Bei allen Prozessen, die eingeführt werden, und alle Entwicklungen, die neu sind: Es wird zu keinem Stillstand kommen und die Prozesse müssen überall weiterentwickelt und angepasst werden.

Tipps:

  • Prozess visualisieren und an die Wand hängen: So sind alle Projektschritte immer sichtbar und es wird nichts übergangen! (Mathias Weitbrecht)
  • Methode Design Thinking kann am Projektanfang eingebunden werden, um zu prüfen, ob überhaupt das richtige Produkt entwickelt wird (Bern Oestereich)
  • Risikomanagement beachten (Stefan Freimark)
  • Versetzte Sprintplanung im Scrumprozess: Konzepter einen halben Sprint vorher einplanen, sodass es keinen Leerlauf für Programmierer gibt (Stefan Böhland)

Dialog

Ohne Dialog funktioniert kein Prozess. Dialog, also das Reden zwischen zwei oder mehreren Personen (Wikipedia), ist das Fundament jeder Projektarbeit. Das Projektteam muss eng zusammenarbeiten. So hat es auch Mathias Wrba präsentiert: „Kein System lässt sich 100% dokumentieren. Agil erkennt das irgendwie an. Über den Rest müssen wir reden.“ Er empfiehlt User Stories als Methode zu verwenden, denn sie sind gute „Conversation Starter“. Kunde, Konzept, Technik, Kreation und User können die User Stories einfach verstehen und so leichter über die jeweiligen Anforderungen sprechen. Es ist sehr gut für Meetings ein Team aus verschiedenen Abteilungen (auch die Abteilung „Redaktion“ nicht vergessen) zu bilden. Ein solches Team hat aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungen mehr Wissen und generiert so mehr Ideen.

Aber nicht nur der Dialog im Projektteam ist wichtig, sondern vor allem auch der Dialog mit dem Kunden. Sabine Berghaus hat aus ihrem Projekt, bei dem es um den Launch einer komplexen, responsiven Website ging, gelernt, dass der Kunde bei der agilen Vorgehensweise viel mitarbeiten muss. Dieser scheinbare Mehraufwand für den Kunden rechnet sich aber. Denn es führt zu einem nutzer- und kundenorientierterem Endprodukt.

Tipps:

  • Termine im Vorhinein gut durchplanen und Ziele des Termins mit Kunden abstimmen (Stefan Freimark)
  • Echte Nutzerexperten zu Workshops einladen: z.B. mit Mitarbeitern aus Callcenter, die direkten Kundenkontakt haben (Mathias Wbra)
  • Zeichnen, zeichnen, zeichnen: Augen nehmen mehr wahr als die übrigen Sinnesorgane (Mathias Weitbrecht)

Qualität

Wann hat eine Website eine hohe Qualität? Ein gutes Produkt ist immer ein nutzer- bzw. bedienungsfreundliches Produkt. Anders Ramsay hat allerdings zu bedenken gegeben, dass nicht mehr die Frage nach „Is this user friendly?“ zu einem guten Produkt führt, sondern wir uns eher die Frage nach „Would you pay for it?“ stellen sollen. Seiner Meinung nach ist ein Produkt dann sinnvoll, wenn Nutzer 50 Cent dafür zahlen würden.

Scrum ist laut Stefan Böhland ein guter Prozess, denn das gesamte Team fühlt sich für das Projekt verantwortlich und fördert damit dessen Qualität.

Fritz Oleinek hat in seiner Präsentation vorgestellt, wie UX und Digital Analytics zusammen passen. Er ist der Überzeugung, dass eine Analyse, die bereits in der Konzeptionsphase und in jedem weiteren Projektschritt durchgeführt wird, zu qualitativ hochwertigeren Ergebnissen führt.

Tipps:

  • „Done is better than perfect.“ (Mathias Weitbrecht)
  • Perfektionsanspruch senken: gescannte/fotografierte Zeichnungen ins Konzept einfügen statt diese aufwändig am PC nachzuzeichnen. Dies spart kostbare Zeit, die für die Ideen- und Lösungsfindung sowie die Konzeptionsphase sinnvoller genutzt werden kann. (Mathias Weitbrecht)
  • Reale Inhalte so früh wie möglich in den Konzeptionsprozess einbringen.

Fazit

Es muss ein Umdenken stattfinden! Eingefahrene Prozesse funktionieren nicht mehr in der Form, in der sie bisher verlaufen sind. Die Anforderungen an eine Website, aber vor allem die Anforderungen an das Medium Internet, haben sich verändert und werden es auch weiterhin tun. Die Konferenz hat unsere Arbeitsweise einmal mehr bestätigt.

Mir persönlich hat die Konferenz wieder sehr gut gefallen. Ich habe alte Bekannte wiedergetroffen und neue Gesichter kennengelernt. Die Konferenz war wieder einmal sehr gut organisiert und es macht einfach Spaß sich mit den „Konzepterkollegen“ auszutauschen und neue Impulse für die eigene Arbeit zu erhalten.

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