Die E-Mail wird 30
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Christian Iannarone

Christian Iannarone

ist Experte für E-Mail-Marketing und Social Media. Als solcher ist er gefühlte 24 Stunden am Tag in sozialen Netzen unterwegs. Abseits von Social Media und Internet liebt er gute Filme und echte Bücher und schreibt eigene Songs.

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Die E-Mail ist in den sogenannten „Neuen Medien“ inzwischen ein alter Hase. Am 03.08.2014 um 10:15 jährt sich der Zeitpunkt, an dem Prof. Dr. Michael Robert die allererste E-Mail in Deutschland empfing, zum 30sten mal, wie er vor kurzem nicht ohne Stolz auf der E-Mail-Expo in Frankfurt am Main berichtete. Was ist in dieser Zeit passiert? Wo ist die E-Mail heute? Und vor Allem: Wo geht die Entwicklung hin?

Die weltweite allererste E-Mail wurde bereits vor 43 Jahren versendet. Seitdem ist eine Menge mit der E-Mail geschehen, wie eine Infografik von Inxmail zeigt:

Die Geschichte des E-Mail-Marketing

Die Geschichte der E-Mail ist eine Geschichte voller Missverständnisse

Als in Deutschland Unternehmen vor 30 Jahren damit begannen ihre Fax- und Briefkommunikation auf elektronische Post umzustellen, hatte wohl noch niemand damit gerechnet, dass heute weltweit ca. eine halbe Billionen E-Mails pro Tag versendet werden – geschweige denn damit, dass davon 90% auf Spam entfallen. Das Image der E-Mail leidet darunter schon von Beginn an. Neben dem hohem Spamaufkommen, sind es vor allem die Viren-Attacken, die seit Jahrzehnten bevorzugt über die E-Mail – als infizierter Anhang oder Link – verbreitet werden und dem Ruf des Mediums schaden. Außerdem kommt in letzter Zeit das mediale Erstaunen über die unberechtigten Zugriffe auf unsere Mailinhalte hinzu. Doch auch das Ausspähen von E-Mails ist nichts Neues. In den USA wurde bereits von Beginn an nach gefährlichen Stichworten in E-Mails gefahndet. So ist eine unverschlüsselte E-Mail, in Bezug auf den Datenschutz, nie mehr als eine Postkarte: Wer will kann mitlesen.

„So lange es Nutzer gibt, die freiwillig ihre Kontodaten preisgeben, weil sie aufgrund einer Phishing-Mail auf einen Geldkoffer aus Nigeria hoffen, wird sich […] auch nichts ändern“

Wege sich besser abzusichern gibt es schon lange. Ansätze und Möglichkeiten zur E-Mail-Verschlüsselung und zur elektronischen Signatur gibt es nicht erst seit DE-Mail. Vieren-Scanner und Spamfilter gehören längst zum kostenlosen Standardrepertoire der meisten Provider.

Um die E-Mail sicherer zu machen sind also auch wir Nutzer in der Pflicht. Da sind sich die Experten einig:

„So lange es Nutzer gibt, die freiwillig ihre Kontodaten preisgeben, weil sie aufgrund einer Phishing-Mail auf einen Geldkoffer aus Nigeria hoffen, wird sich […] auch nichts ändern“, so Markus Schaffrin, Geschäftsbereichsleiter Mitglieder Services, des Eco Verbands der deutschen Internetwirtschaft.

Um die Situation zu verbessern müssen alle ran: Provider, Nutzer, Gesetzgeber und Unternehmen. Solange keine klaren Rahmenbedingungen definiert wurden, die den Umgang mit dienstlichen E-Mails, Fragen der Weiterleitung, der elektronischer Signatur usw. regeln, können auch von den Providern keine technischen Neuerungen erwartet werden.

Der stärkste Kanal im Netz

Was diese Probleme angeht, sind wir in Sachen E-Mail also noch nicht wirklich weiter gekommen. Trotzdem steigt das Mailaufkommen im geschäftlichen Umfeld jährlich um 7%, wohingegen im privaten Bereich ein leichter Rückgang zugunsten von Short Message Systemen wie WhatsApp, SnapChat und Co. zu verzeichnen ist. Aber die E-Mail bleibt auch in Zukunft der beste Marketing-Kanal im Netz.

„Anyone without an email adress is the digital equivalent of homeless“

So kommen auch die Social-Media-Kanäle längst nicht an die Reichweiten der E-Mail heran. Das liegt daran, dass die E-Mail-Adresse im Internet das Authentifizierungsmerkmal Nr. 1 ist. Jeder, der in einem sozialen Netzwerk angemeldet ist, benötigt für die Anmeldung eine E-Mail-Adresse. Jedoch nicht jeder Internetuser mit einer E-Mail-Adresse, ist in einem sozialen Netzwerk vertreten. Wenn wir zusätzlich an all die anderen Dienste denken, für deren Nutzung eine E-Mail-Adresse benötigt wird, kommen wir schnell zu dem Schluss, dass ohne E-Mail-Adresse die Nutzung des Internets (wie es sich heute darstellt) kaum noch möglich ist.

„Anyone without an email adress is the digital equivalent of homeless“, so Dela Quist auf der E-Mail-Expo 2014 in Frankfurt.

In Zahlen drückt sich das Ganze dann so aus: “Jeden Tag werden vier Mal mehr E-Mails versendet als alle stattfindenden Suchanfragen, Social-Media-Updates und Websitebesuche ZUSAMMEN”. Im direkten Vergleich mit Social Media kam eine Studie von McKinsey zu folgendem Ergebnis:

Natürlich sind solche Vergleiche meist mit Vorsicht zu genießen. Denn die Stärken dieser beiden Kanäle liegen ganz offensichtlich in völlig anderen Bereichen liegen (was im Übrigen eine gute Voraussetzung dafür ist, beide Kanäle im Marketing zu kombinieren). Trotzdem zeigen diese Zahlen eines sehr deutlich: Die Zeit der E-Mail ist auch mit angeschlagenem Image, noch lange nicht vorbei.

Und wie geht’s jetzt weiter?

Im Gegenteil: Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass wir erst am Anfang stehen. Mit der stetig wachsenden Verbreitung von mobilen Endgeräten wächst auch die allgemeine Akzeptanz gegenüber der E-Mail wieder. Die Nutzung der E-Mail auf mobilen Endgeräten steigt jährlich um 25%.  Das E-Mail Marketing erlebt ein Revival. Der aktuelle Forrester-Report prognostiziert ein Wachstum der Ausgaben für E-Mail-Marketing von 1,5 Milliarden Dollar in 2011 auf 2,5 Milliarden in 2016 (und dabei ist nicht die Rede von „Spam“). Im Jahr 2017 werden täglich voraussichtlich 206,6 Milliarden E-Mails versendet. Mit der heutigen Weltbevölkerung von 7,2 Milliarden Menschen gerechnet, macht dies dann täglich 28,7 E-Mails pro Kopf.

Auf Dauer wird dieses Mailaufkommen für den Einzelnen nicht mehr zu bewältigen sein. Aus diesem Grund fangen viele Mailprovider (Gmail oder Outlook.com sind ganz vorne mit dabei) bereits heute damit an, neben Spamfiltern auch sog. Sortierfilter anzubieten. Durch deren Hilfe werden E-Mails direkt im Posteingang bestimmten Rubriken zugewiesen. Dies entlastet die Nutzer, heißt jedoch für Werbe-E-Mails, dass diese aufgrund fehlender Relevanz und trotz expliziter Empfängereinwilligung einfach wegsortiert werden könnten.

In Zukunft wird es also immer wichtiger relevant zu sein. Um dies zu erreichen kommen wir an Themen wie Personalisierung, Big Data und Marketing Automation nicht mehr vorbei. „Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden“.

Die E-Mail hat in den letzten 30 Jahren einen langen und oftmals beschwerlichen Weg hinter sich gebracht. Heute ist sie der meistgenutzte Dienst des Internets und wird es auch in Zukunft maßgeblich bleiben. Ob sich das Image der E-Mail verbessert, wird sich zeigen. Hier sind die Nutzer, Provider und E-Mail-Marketing-Schaffende gefragt. Wenn wir es schaffen die Relevanz unserer E-Mails so zu erhöhen (sei es mit Hilfe von Personalisierung, der Nutzung von Big Data oder verbesserten Filterfunktionen im Posteingang), dass eines Tages nur das bei uns ankommt, was wir auch wirklich lesen möchten, ist die E-Mail irgendwann nicht nur der verbreitetste, sondern auch der beliebteste Dienst im Internet.

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